Prof. Josef Skupa (1892 -1957)
Geboren in Strakonice, zog es ihn seit der Kindheit zu den Puppen. Dieser Kandidat für eine Professur und Hörer der Kunsttechnischen Schule in Prag interessierte sich auch für außerschulische Bildhauerei (seine Approbation erhielt er es nach dem Krieg), von der aus es nur ein Schritt bis zum Modellieren von Puppen war. Es kommt der Erste Weltkrieg und Skupa rückt ein. Durch glückliche Umstände wird er nach Pilsen verlegt. Hier bietet man ihm externe Mitarbeit als Szenograph im Städtischen Theater an, eine gewisse Zeit hielt er sich auch in der Zeichenabteilung der dortigen Skodawerke auf. Sicher fühlte er sich sehr zum großen Theater hingezogen. Aber das war alles in dem Moment vergessen, als er im Städtischen Vereinshaus hinter die Kulissen des Puppentheaters der Tschechischen Ferienkolonien in Pilsen schauen durfte, das damals der Volkspuppenspieler Karel Novák leitete. Bald wurde er führendes Mitglied dieses Ensembles und schließlich sein Leiter.
Im Jahr 1920 fertigt der Schnitzer Karel Nosek nach einer Skizze Skupas die Figur Spejbls an, der Partner des Kaspers werden sollte. Skupa versuchte damit den traditionellen Volkstyp des Puppentheaters durch einen neuen komischen Typen zu beleben. Diese Synthese aber war nicht eben die glücklichste. 1926 erschien erstmals Hurvínek schüchtern auf der Bühne. So wurde eines der populärsten Theaterpaare geboren. Skupas Auffassungen entfernten sich jedoch immer weiter von Nováks traditionellem Blick auf das Theater, was schließlich zu ihrer Trennung führte. 1930 gründete Skupa die erste Berufspuppenbühne neuen Typs. Die Spejbl Familie bekam noch im selben Jahr weitere Mitglieder-Hurvíneks treue Freundin Mánicka und den Hund Zeryk. Zu diesem Typenquartett gesellte sich 1971 noch Mánickas pedantische Großmutter Katerina.
Milos Kirschner
(1927 - 1996)
wurde am 16. März 1927 geboren. Er wollte sich internationalem Recht widmen, wurde aber vor dem Abschluß des Studiums verhaftet und wegen antifaschistischer Tätigkeit verurteilt. Nach Verbüßung der Haft wurde er in eine Strafeinheit unter die sogenannten "schwarzen Barone" eingewiesen. Nach Ableistung des Militärdienstes nahm ihn 1951 das Theater Spejbl und Hurvínek auf. Schon 1952 begann er, zunächst anonym, die Titelrollen zu Spielen, woraufhin ihn Prof. Josef Skupa 1956 zu seinem Nachfolger ernannte. Kirschner entwickelte die Rollen weiter und veränderte sie deutlich. Den klassischen Volkshumor verband er mit seinem Intellekt. Er übernahm zwar die Tradition, führte sie aber auf der Bühne und thematisch in neuer Form fort. Er wandte sich gesellschaftlichen und Generationsfragen zu. Er löste Probleme des Charakters, der Moral, der Liebe und der Stellung des Individuums zur Gesellschaft und den Absurditäten des Lebens. Kirschner sorgte auch dafür, daß Spejbl und Hurvínek nicht zu musealen Exponaten wurden. Die Rollen Spejbls und Hurvíneks spielte er 44 Jahre, also 13 Jahre länger als Prof. Skupa. Im Unterschied zu ihm begann er seine Rollen auch in fremden Sprachen zu spielen. Spejbl und Hurvínek agierten so in 18 Sprachen. Er besuchte mit ihnen 30 Länder auf vier Kontinenten. In Japan erhielt er den Siegespokal für seine Verdienste um die Entwicklungs des Puppentheaters. Er wurde zum Ehrenmitglied der amerikanischen Puppenspieler ernannt und in der Weltenzyklopädie "Who's Who in the World" erwähnt.
Er schrieb zahlreiche Fachartikel, Dialoge, Szenarien und Theaterstücke. Er trat in Fernsehen, Rundfunk und Film auf, nicht nur bei uns, sondern auch im Ausland. Außerdem war er an mehreren Büchern mit S+H beteiligt. Er nahm viele Schallplatten auf, allein bei der Firma Supraphon erhielt er beispielsweise die goldene Schallplatte für 250 000 ins Ausland verkaufte Platten in fremdsprachigen Versionen (was ein Weltunikat darstellt). Eine weitere goldene Schallplatte erhielt er für eine Million verkaufte Scheiben bei uns und schließlich 1996 eine Platinplatte für 1 200 000 bis dahin verkaufte MCs und CDs. Miloš Kirschner verstarb am 2. Juli 1996.
Er zog sich seinen Nachfolger Martin Klásek heran und hinterließ viele Schüler. Er lehrte sie die Gesetze harter Professionalität, des endlosen Ringens um modernen Bühnenausdruck unter Aufrechterhaltung der Grundzüge der Tradition Jenes, einzigartigen Theaters, auf daß es ein synthetisches, lyrisches, wahrhaftiges und doch ilusionistisches Theater sei.
Martin Klásek
( 1957 )
stieß 1973 als sechzehnjähriger Bursche zur Bühnentechnik des Theaters S+H. Bald Entdecke er in sich die Fähigkeit, Puppen zu führen. Deshalb wurde er von der Technik zum künstlerichen Ensemble versetzt. Als sich mit der zeit herausstellte, daß er Hurvíneks Fistelstimme nachnahmen konnte und auch die nötigen schauspielerischen Fähigkeiten besaß, begann Milos Kirschner ihn zu seinem künftigen Nachfolger aufzubauen. So erlebte Klásek schon 1974 im Kinderstück "Hurvínek zwischen den Käferchen" seine schauspielerischeFeuertaufe in den Rollen Spejbls und Hurvíneks und er begann 1982, zuerst nur bei den Kinderprogrammen, später dann auch in den Vorstellungen für Erwachsene, regelmäßig mit Milos Kirschner zu alternieren.
Als gesundheitliche Probleme M. Kirschner zwangen, anstrengende Auslandreisen einzuschränken, setzte Klásek die Tradition fremdsprachiger Versionen fort, denn das Theater spielt seit der Kirschner Ära stets in der Sprache des Landes, in dem es gerade gastiert. M. Kirschner trat in 18 Sprachen auf. Klásek spielte erfolgreich in Russisch, Deutsch, Norwegisch, Arabisch, Spanisch, Französisch und Chinesisch.
Er trat auch in die Autorenwerkstatt des Theaters ein. Er schrieb Dialoge für das Kinderstück "S+H kommen zu uns". Das erste eigenständige Debut als Autor und Regisseur hatte er mit dem Stück "Hurvínek und der Spiegel", dem "Hurvínek mit dem UFO" folgte. Diese Stücke wurden auch im Ausland aufgeführt. Klásek wurde künstlericher Chef des Theaters und 1996, nach dem Tode Milos Kirschner, schon der dritte Vater der beiden Hauptprotagonisten.
Er setzt auch die Aktivitäten außerhalb des Theaters fort. Er nimmt neue Kassetten und CDs auf und agiert im Fernsehen. Damit bestädigt er, zur Freude des Theaters und seiner Fans, die Lebensfähigkeit dieser weltweit einzigartigen Theatertradition.
Mgr. Helena Stáchová
( 1944 )
Nach dem Abitur ging sie als Volontärin zum Theater S+H und nahm ein Jahr später ein Studium an der Theaterfakultät der Prager Akademie der Musischen Künste auf. Nach Abschluß dieser Hochschule kehrte sie 1966 ins Theater zurück. Nach einem Jähr übernahm sie von Božena Weleková (als bereits dritte Interpretin Mánickas) eine der Hauptfiguren des Theaters - die Mánicka, die 1930 geschaffen wurde.
Im Unterschied zu ihren beiden Vorgängerinnen begann sie an der Seite Miloš Kirschners, der auch ihr Lebenspartner wurde, mit der Interpretation fremdsprachlicher Texte (Deutsch, Russisch, Spanisch, Italienisch, Englisch, Französisch, Japanisch, Chinesisch).
1971 schuf M. Kirschner für sie eine neue Figur, die sofort eine weitere grundlegende Gestalt des Theaters wurde. Es ist Frau Katerina Hovorkova, Mánickas Großmutter. Diese Figur gab Stachová die Möglichkeit, den schauspielerischen Part zu erweitern, der an die Tradition anknüpft, wonach ein Schauspieler gleichzeitig zwei von Typ und Alter unterschiedliche Figuren darstellt.
H. Stachova wirkt nicht nur im Theater, sondern auch im Rundfunk, bei der Synchronisation, im Fernsehen, und sie nahm gemeinsam mit Milos Kirschner viele Platten und Kassetten auf. Jetzt setzt sie dies mit Klásek bei der Aufnahme weiterer CDs fort.
Sie schreibt für das Theater, Szenarien für das Fernsehen und für Tonaufnahmen. Sie schrieb zwei Stücke für Erwachsene, drei für Kinder, von denen zwei demnächst einstudiert werden. Diese Stücke wurden auch in fremdsprachigen Versionen weltweit aufgeführt. Sie führt bei ihren Stücken Regie und kümmerte sich mehrere Jahre als Dramaturgin um das Profil des Theaters. Nach dem Tode Milos Kirschner wurde sie zur Direktorin ernannt.